Istwan Hotzwei

Der folgende Kirchenbucheintrag, aus dem Jahr 1793, entstammt dem katholischen Kirchenbuch von Neckargerach.

xx Reichenbuch Istwan Hotzwai
Den 12 august ist ein katholischer Soldat mit nahmen
Istwan Hotzwai von dem Lerrischen frei Corps in
Reichenbuch gestorben, aldasige Reformirte haben sich
anfänglich widersetzet, dießen in ihren Friedhof
zu begraben zu lassen, doch auf triftiges Vorstellen meines
Herrn Cooperators  jörg Deuker haben sie solche
Begräbnis zugelaßen, und vier Soldaten haben den
todten begraben.

Dieses habe ich mit Eifer/Absicht auf deutsch vermerkt, woraus die Ansichten/Gesinnungen der Protestanten abgelesen/gefolgert werden können. (letzter Absatz Übersetzung aus dem lateinischen)

Der Priester Johann Heinrich Strohmenger, zu diesem Zeitpunkt kath. Pfarrer zu Neckargerach, hat wohl gedacht mit diesem Kirchenbucheintrag ein Zeichen setzen zu müssen. Bis dato und auch später wurden alle katholischen Kirchenbucheinträge in Latein geschrieben. Der Grund für den deutschen Eintrag wurde dann wieder in Latein verfasst. Kleine Sticheleien zwischen Katholiken und Reformierten waren zu der Zeit wohl an der Tagesordung.

Anmerkung: Nach einigen Rangeleien mit der Gemeinde Neckargerach, wohl auch unter Mitwirkung der Geistlichen beider Konfessionen, beschlossen die reformierten Reichenbucher 1749 einen eigenen Gottesacker anzulegen. Die katholischen Reichenbucher beharrten auf Ihrem althergebrachten Recht Ihre Toten in Neckargerach beisetzen zu dürfen. So kam es am 28. Mai 1749 zur Segnung des reformierten Gottesackers zu Reichenbuch. Mit dem Soldaten Istwan Hotzwai kam es dazu das nicht ein Einheimischer sondern ein Auswärtiger der erste Katholik wurde der in Reichenbuch beerdigt wurde. Die Reichenbucher Katholiken mussten darauf noch einige Jahrzehnte warten.

Möge Jeder selbst entscheiden was Pfarrer Strohmenger damals mit dem Eintrag bezwecken wollte.

Unseren Gefallenen

Wir gedenken den Gefallenen und Vermissten beider Weltkriege.

Das alte Kriegerdenkmal am ehemaligen gasthaus „Krone“

Die Gefallenen im 1. Weltkrieg:

Brauch Gustav,  Helm Friedrich,  Hornung Wilhelm,  Keil Karl,  Knapp Robert,  Knapp Vinzens,  Moser Heinrich,  Noe Oskar,  Pfetzer Kilian,  Sensbach Karl,  Scheuermann Max,  Strauss Karl,  Vierling Georg,  Vierling Friedrich

Die Gefallenen im 2. Weltkrieg:

Brauch Otto,  Brauch Gustav,  Ebert Hilda,  Höreth Josef,  Kühn Julius,  Neureuther Alfred,  Pfetzer Josef,  Sensbach Ludwig,  Sigmund Rudolf,  Scheuermann Fritz,  Schnörr Jakob,  Hofmann Erwin,  Roth Rudolf

Vermisste im 2. Weltkrieg:

Ballenweg Rubens,  Brauch Friedrich,  Kühn Otto,  Noe Oskar,  Sensbach Karl,  Scholl Gottfried,  Scheuermann Ludwig,  Westenhöfer Seraphin

 

Die neue Gedenktafel auf dem Friedhof

Ersterwähnung von Reichenbuch

Die sogenannte Ersterwähnung eines Ortes bezieht sich immer auf eine Urkunde, die Entstehung eines Ortes bleibt mangels schriftlicher Dokumente so gut wie immer im dunkeln. So auch bei Reichenbuch. Erstmals urkundlich erwähnt wir Reichenbuch in einem Kaufvertrag am 09. Oktober 1330. Die Urkunde ist als Regest bei der ev. Stiftsschaffnei Mosbach im Lagerbuch 1584 Folio 691 vorhanden. Der Kaufvertrag besagt folgendes :

09. Oktober 1330 (Dyonis)

Ritter Johannes von Obrigheim gen. das Kind verkauft dem Stift zu Mosbach ein Haus zu Reichenbuch (Reichards-) zwei Morgen Acker auf Obrigheimer Gemarkung und die Fähre zu Neckargerach (Negger-) um 106 Pfund Heller.

Siegler : Aussteller, sein Sohn Johannes, seine Brüder Dieter und Berthold

Wenn wir uns die Urkunde jetzt durchlesen fällt auf das es sich lediglich um ein Haus in Reichenbuch handelt. Somit Bestand damals Reichenbuch bereits als Ort und hatte auch schon mehrere Häuser. Die eigentliche Entstehung des Ortes ist zwar nicht belegbar aber fand wesentlich früher statt. Es bleibt abzuwarten ob nicht irgendwann, irgendwo noch frühere schriftliche Zeugnisse von Reichenbuch auftauchen. Zum heutigen Zeitpunkt (2020) kann Reichenbuch immerhin auf eine 690 jährige Geschichte zurückblicken.

Reichenbucher Heimatlied

Reichenbucher Heimatlied

Text: Wolfgang Palm- Weise: Rudolf Niedermayer

Wenn ich von der steilen Höhe, wo mein Dörflein liegt so klein,                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                         auf das Tal des Neckars sehe, kann ich doch so glücklich sein.                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                            Wenn ringsum die Bäume blühen und der Frühling zieht ins Land                                                                                                                                                                    ziehts mich stets nach allen Mühen, hin wo meine Wiege stand.                                                                                                                                                       Heimatdörflein, hoch da droben, gerne kehr ich bei Dir ein.                                                                                                                                                                      Tausendmal will ich dich loben, Reichenbuch, du Heimat mein!
Wenn die ersten Sonnenstrahlen lassen Wiesen rings erblühn,                                                                                                                                                                                  und Die Bienen vollbeladen wonnetrunkend drüber ziehn.                                                                                                                                                                                    Auch nach jedes Wetter toben, wenn Du streifst durch Wald und Flur.                                                                                                                              Singt der Ähren goldnes Wogen dir den Hymnus der Natur.
Heimatdörflein, hoch da droben, gerne kehr ich bei dir ein.
Tausendmal will ich dich loben, Reichenbuch, du Heimat mein!
Auch der Winterstürme Brausen, wenn sie heulen durch das Tal,
kannst Du in der Stille lauschen, wenn die Bäume wurden kahl.
Auch Glanz, er muß einst vergehen, auch zu Dir kommt einst Freund Hein.
Stille mußt du mit ihm gehen, wenn er führt zu Gott dich heim.
Heimatdörflein, hoch da droben, schenk ein Grab mir drauß am Rain.
Ewig will ich Dich dann loben. Erd der Heimat, schließ mich ein!