Die Läufertsmühle

Die Läufertsmühle gehörte von jeher zu Neckargerach, Reichenbuch war aber durch einen Mühlenbann/Mühlenzwang mit der Mühle eng verbunden. Die Laufertsmühle liegt 2,5 Kilometer außerhalb Neckargerachs im Tal der Gerach (Heute Seebach). Der Platz der Mühle war ursprünglich Hirschhornischer Besitz. Erstmals hören wir 1440 von einer Lohmühle im Seebachtal.

„wir Ott pfalczgrave by Rine han gegonnet Peter Ruschen unserm hindersessen zu Gerach eine lomuln zu machen in der Gerauwe.“

Ob es sich bei dieser Lohmühle um einen Vorläufer bzw. bereits um die Läufertsmühle handelte lässt sich nicht mit Bestimmtheit sagen. 1567 wird der Name der Mühle im Hirschhorner Zinsbuch als „Leifarts Müll“ genannt, zu diesem Zeitpunkt saß ein Claus Ebert auf der Mühle. Aus dem Jahr 1803 ist bekannt das die Läufertsmühle über zwei Mahlgänge und einen Gerbgang verfügte.

Die Läufertsmühle im heutigen Zustand.

Die Müller der Läufertsmühle waren:

  • 1567 Claus Ebert. Das Schloß Zwingenberg vereinnahmte von Ihm jährlich 4 Kapaunen (gemästete Hähne).
  • 1613 Carl Hann
  • 1626 Georg Herrmann, Kronenwirt in Mosbach. Kauf der Mühle mit 3 Gängen aus der Hinterlassenschaft des Junkers Friedrich von Hirschhorn für 2.300 fl.
  • 1653 Paul Herrmann, Sohn von obigem. Verkauf, Die durch den 30jährigen Krieg in Mitleidenschaft gezogene Mühle hatte nur noch einen Gang.
  • 1655 Engelhart Ebert. lt. ref. KB Neckargerach
  • 1655 Burckhart Otto Häffner und dessen Erben. Beginnender Aufbau der Mühle. 1685 wurde die Mühle geplündert und war 1687 verfallen.
  • 1694 Johannes Dörr, Müller aus Steinbach. Wideraufbau der öde stehenden Mühle. Jährliche Abgabe von 4 Kapaunen und 34 xr 7 h an die kurpfälzische Kellerei Eberbach.
  • 1728 Johann Peter Kießer, Sohn der Geracher Ortsmühle. 165 fl Schatzungskapital: 50 xr herrschaftliche Bede (Zins), 47 xr in die Kellerei Lohrbach, 35 xr und 1/2 Pfund Wachs in die Collectur Mosbach, 12 xr der Stadt Mosbach, 2 Invel Breimehl in die Pfarrei Gerach, 4 Kapaunen oder 3 fl 10 xr an das Amt Zwingenberg, 1 Simmer 1 Invel Korn jährliche Gült. Schollbrunn und Reichenbuch waren in die Läufertsmühle gebannt. Wöchentlich zweimal konnten Mahlfrüchte in Lohrbach abgeholt werden. Vom Vorgänger wurden u.a. 4 Esel übernommen. Für 1738 werden 2 Mahlgänge und 1 Schälgang nachgewiesen.
  • 1775 Anton Gallbach. 2 fl Wasserfallrecognition.
  • 1805 Georg Galmbach
  • 1833 Franz Beuchert. Mühle in verwahrlostem Zustand, 1846 Zwangsversteigerung.
  • 1846 Johann Jacob Veith
  • 1853 Philipp Jakob Veith
  • 1888 Peter Wieder
  • 1927 Wendelin Nenninger
  • 1945 Heinrich Nenninger. Einstellung des Mühlenbetriebes 1958

Über die Verbindung von Reichenbuch zur Läufertsmühle findet sich folgendes:

Der Müller ist verpflichtet, in Reichenbuch, die Früchte auf dem Speicher abzufassen, sodann in seiner Mühl vermahlen, das Mehl zu brod zu backhen, und wieder auf Reichenbuch vor die Thür zu liefern, hingegen müße er Müller jährlich auf Mitfasten (Fastnacht) der Reichenbucher Jugend einen Mühlkuchen geben.

Der Müller sei schuldig, wenn die Reichenbucher es verlangen, die Früchten zu Reichenbuch, mit seiner Fuhr abzuhohlen, und das Mehl wieder dahin zu liefern, auch in Pestzeiten das Mehl von denen zu Reichenbuch abgefasten Fruchten in seiner Mühl zu Brod zu backhen, u. solches ihnen alß dann wieder vor die Thür zu liefern. Hingegen habe die Reichenbucher jugend jährlich auf Mitfasten einen Mühl Kuchen bey ihme in der Mühl zu empfangen.

aus Fritz Liebig, 1000 Jahre Neckargerach 1200 Jahre Guttenbach

Sebastian Bacquin

im Alter von 105 Jahren verstorben.

Bei meinen Recherchen im reformierten Kirchenbuch von Neckargerach bin ich auf einen interessanten Sterbeeintrag gestoßen.


Den 17ten Januarii 1678 ist begraben worden Sebastian Bacquin von Metz auß Lothringen
gebürtig, seines alters 105 Jahr und etlich und zwantzig Wochen, Deme
Churpfaltz wegen getreuen Diensten,so er Dero Königlichen H(er)rn Vatern höchst See(ligen) Andencken
Friderico dem Dritten König in Böhmen (gemeint ist Friedrich V) erwiesen, das gnaden-Tractament
auf dem Hauß Zwingenberg geben lassen bis in seinen todt.

Man findet nicht viele solcher Einträge in einem Kirchenbuch. Sebastian Bacquin ist mehr als 105 Jahre alt geworden, demnach muss er um das Jahr 1572 geboren worden sein. Was hat dieser Mann im Laufe seines Lebens wohl alles erlebt hat? Metz, seine Geburtsstadt, galt zu dieser Zeit noch als Stadtrepublik wurde aber bereits 1552 von den Franzosen besetzt. Offiziell gelangte Metz erst nach dem Westfälische Frieden 1648 an Frankreich. Sebastian Bacquin war wohl Zeit seines Lebens Soldat und hat auf Seiten der Protestanten gekämpft. Dies hat offensichtlich zu dem Gnaden-Tractament (freie Kost und Logis) auf Schloss Zwingenberg geführt. Übrigens hatte auch Friedrich V einen Bezug zu Metz, wenn auch einen gruselig traurigen Bezug. Der Sarg mit dem ausgeweideten Körper Friedrich V wurde im Juli 1635 nach Metz gebracht. Während der Flucht nach Metz ist der Sarg mehrmals vom Wagen gefallen. Dieser wurde im Keller eines Bürgerhauses abgestellt und sollte im September 1637 nach Sedan überführt werden. Seitdem gilt der Sarg mit den Gebeinen als verschollen! Sebastian Bacquins Gebeine haben es allerdings lediglich auf den Friedhof von Neckargerach geschafft.

Flurdenkmal, Jesus am Kreuz

Verlassen wir Reichenbuch in Richtung Neckargerach finden wir nach etwa 500 Metern ein Flurdenkmal. Es handelt sich um ein sogenanntes Wege-bzw Flurkreuz und steht an der Gemerkungsgrenze zwischen Reichenbuch und Neckargerach. Es ist als Kruzifix (Darstellung des Gekreuzigten) ausgeführt. Als Material wurde der heimische Buntsandstein gewählt.

An der L527 Gemerkungsgrenze zwischen Neckargerach und Reichenbuch

Im Rahmen des Sockels befindet sich folgender Spruch:

Dein heilig Kreuz

Herr Jesus Christ

Im Leben uns Kraft

Mut(h) und Licht.

Im Tod uns Trost

u. Zuversicht.

Was lange Jahre nicht sichtbar war im Unterbau befindet sich eine Inschrift der Stifter:

Gestiftet von Karl Schiemer in Stein

gehauen u. dessen Ehefrau Luise geb.

Sensbach 1901

Bei der Inschrift der Stifter können Aufgrund der Verwitterung Lesefehler enthalten sein.

Ein Ziegainer, von Raichenbuch

Bei der Suche nach ehemaligen Reichenbucher Bürgern habe ich im ev. Kirchenbuch von Binau folgenden Eintrag gefunden:

Kirchenbucheintrag Mischbuch Binau, Taufeintrag vom 04. August 1696

Den 4ten Augusi haben Johan Christoff
Leyhenbürger Ein Ziegainer, von Raichen-
buch, Einen Jungen Sohn tauffen lassen,
wobey der hochwohlgebohrne Herr, Herr Johan
Georg von Hunolstein v[nd]dann die hochwohl[geb.]
Frey Fräulein Loysa von Hunolstein zu
Gevattern gestanden, das Kind ist Johan
Ludwig genannt.

Binau war ein freiadeliges Rittergut. Zum Zeitpunkt der Taufe waren die „Vogt von Hunolstein“ die Besitzer von Binau. Warum Mitglieder der Familie die Patenschaft bei Johan Ludwig übernommen haben entzieht sich meiner Kenntnis. Ungewöhnlich ist auch das die Taufe in Binau vollzogen wurde, zuständig für Reichenbuch wäre eigentlich die Mutterpfarrei Neckargerach gewesen.

Leider führt auch die Suche nach dieser (Ziegainer) Familie ins Leere. Diese Familie tauchte weder vorher noch nachher nochmals auf. Mir ist auch nicht ganz klar wie der Familienname der Familie lauten soll.

  • Christoff dann wäre „Leyhenbürger“ eine Standesbezeichnung. Aber was soll dann die Bezeichnung „Leyhenbürger Ein Ziegainer“ bedeuten?
  • Leyhen könnte man vermuten da es im KB so aussieht wie wenn Leyhen unterstrichen wäre. Meist wurden Familiennamen unterstrichen. Was soll uns dann aber die Bezeichnung „bürger Ein Ziegainer“ sagen? Dies ist eigentlich genauso abwegig.
  • Leyhenbürger ist wohl doch am wahrscheinlichsten als Familienname anzunehmen.

Bisher konnte weder die Herkunft noch der Verbleib dieser Familie geklärt werden. Dies bleibt wohl dem Zufall überlassen, evtl. ergeben andere/spätere Forschungen ein Ergebnis. Wer über Informationen zu diesen Reichenbuchern verfügt wird gebeten mir eine Nachricht zu senden.

N.B. Dieser Beitrag soll keinesfalls diskriminierend wirken. Hier wurde lediglich der Begriff „Ziegainer“ aus einer historischen Quelle übernommen. Es geht hierbei um die Forschung nach Reichenbucher Familien.

Reichenbucher Auswanderer

Ein Abschied für immer?

„Eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs, sieben. Wo ist nur mein Schatz geblieben? ist nicht hier, ist nicht da, ist wohl in Amerika“

Kinderreim aus dem 19. Jahrhundert
Werbung einer Auswanderer-Argentur.

Perspektivlosigkeit, Hunger, Krieg, Revolution, Verfolgung von diesen Dingen wurden auch unsere Vorfahren geplagt. Das 19. Jahrhundert war geprägt von Auswanderungen hauptsächlich in die Neue Welt. Anbei eine Liste mit Reichenbucher Auswanderern die ich bei meinen Recherchen in Kirchenbüchern gefunden habe. Im Rahmen weiterer Forschungen konnten zu einigen Auswanderern Informationen über den Verbleib gefunden werden.

Diese Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Über Hinweise von weiteren Auswanderern und deren Verbleib, sowie jegliche Art von Informationen zu den Gründen der Auswanderung würde ich mich freuen.

  • Katharina Bieler *21.07.1878 (1900 – Frankreich)  
  • Andreas Brauch *03.07.1809 (1854 – Nordamerika) 
    • Elisabetha Brauch geb. Friedrich *15.11.1805 (1854 – Nordamerika)  
    • Luisa Brauch *03.03.1841 (1854 – Nordamerika) 
    • Marie Brauch *25.12.1844 (1854 – Nordamerika) 
    • Friederich Brauch *15.10.1843 (1854 – Nordamerika) 
    • Friederika Brauch *20.10.1836 (1854 – Nordamerika) 
    • Katharina Brauch *15.10.1839 (1854 – Nordamerika) 
    • Elisabetha Brauch *21.01.1850 oo Grischy Jakob *02.07.1852 +13.03.1929 +29.11.1939 Cincinnati, Hamilton, Ohio (1854 – Nordamerika)  
  • Friederike Ernst *12.01.1834 oo 20.02.1855 Valentin Steck *22.03.1835 Schollbrunn +14.03.1906 Willow Hill, Pennsylvania +14.03.1904 Franklin Co., Pennsylvania (1854 – Nordamerika) 
  • Georg Adam Fischer *26.12.1853 (1872 – Nordamerika) 
  • Bernhard Heinrich Fischer *24.04.1859 (1880 – Nordamerika)   
  • Maria Graf *um 1844 Ankunft 02.09.1902 mit Schiff Kaiser Wilhelm Der Grosse in New York, New York, United States (1902 – Nordamerika) 
    • Kilian Graf *1882 Ankunft 02.09.1902 mit Schiff Kaiser Wilhelm Der Grosse in New York, New York, United States (1902 – Nordamerika) 
    • Simon Graf *1888 Ankunft 02.09.1902 mit Schiff Kaiser Wilhelm Der Grosse in New York, New York, United States(1902 – Nordamerika) 
    • Elisabeth Graf *1885 Ankunft 02.09.1902 mit Schiff Kaiser Wilhelm Der Grosse in New York, New York, United States (1902 – Nordamerika) 
  • Georg Michael Heck *20.04.1835 (1852 – Nordamerika) 
  • Eduard Heck *19.04.1818 (1851 – Nordamerika) 
  • Karoline Scheuermann *25.06.1835 (1854 – Nordamerika) 
  • Philippine Schäfer *15.07.1828 Ankunft 1857 mit Schiff Olympia in New York, New York, United States (1857 – Nordamerika)
    • Anna Maria Schäfer *25.10.1856 +19.11.1857 Abends 5 Uhr und wurde „Died in the Bagage“ nächsten Morgen 5 Uhr über Land gesetzt. (1857 – Nordamerika)
  • Helene Sensbach *23.05.1829 (1851 – Nordamerika)
  • Heinrich Vierling *19.07.1837 (1882 – Nordamerika) 
    • Luisa Vierling geb. Brauch *09.11.1850 wohnte mit den Kindern, August, Heinrich und Luisa beim Census (Volkszählung) am 8. Juni 1900 in Kingston, Ulster, New York. Der Ehemann Heinrich Vierling wird beim Census nicht genannt.(1882 – Nordamerika)
    • August Vierling *16.06.1872 (1882 – Nordamerika)
    • Heinrich Vierling *12.07.1874 Arbeiter in Kingston, Ulster, New York (1882 – Nordamerika)
    • Luisa Vierling *29.05.1880 Zigarrenmacherin in Kingston, Ulster, New York (1882 – Nordamerika) 
  • Wilhelmine Winter *07.09.1828 Ankunft 1857 mit Schiff Olympia in New York, New York, United States (1857 – Nordamerika) 
  • Elisabetha Haas geb. Winter *17.07.1819
    • Jakobina Haas *27.03.1842
  • Erwin Kürschner *28.03.1901 Ankunft 05.05.1929 mit Schiff München in New York (1929 – Nordamerika)
    • Karoline Luise Kürschner geb. Schnörr *24.03.1902 Ankunft 05.05.1929 mit Schiff München in New York (1929 – Nordamerika)
    • Fred Erwin Kürschner *03.03.1926 Ankunft 05.05.1929 mit Schiff München in New York (1929 – Nordamerika)
    • Richard Adolf Kürschner *20.10.1927 Ankunft 05.05.1929 mit Schiff München in New York (1929 – Nordamerika)
    • Luisa Kürschner *27.12.1928 Ankunft 05.05.1929 mit Schiff München in New York (1929 – Nordamerika)

Hanß Dürtzenbach

Im reformierten Kirchenbuch von Neckargerach 1650 – 1750 findet sich ein besonderer Eintrag. Zwischen den Taufeinträgen von 1663 und 1664 hat der damalige Pfarrer Julius Wolfgang Lucanus, auf bitten des Hanß Dürtzenbach aus Neckargerach, folgenden Eintrag geschrieben.

Uff bit und fleißiges auffrechere Herre Hanß Dürtzenbachs, Bürger und Schiffmanns alhier, seindt seine Kinder, welche in Chur-Bayrischer Regierung, erziehlet, und gebohren worden, so wird mann eigentlich erkunschafftet, der Zeichens und auff geschrieben, durch mich – Julium Wolfgangum Lucanum –

auß erster Ehe, mit

  • Andreas, gebohren im Jahr 1642. Uf den ersten neuen jahres Tag. Sein Tauffbaht (Taufpate) ist gewesen, H: Andreas Eifler, damahliger ChurBayrischer Keller zu Eberbach, und H: Peter Neuer, Gastgeber Zum …… alda.
  • Anna Maria, ist gebohren 1640. Ungefehr im Hornung (Februar), Ihre Tauffbathin wahr, obgemelden Herrn Kellers eheliche Haußfrau: Dorothea Maria.

auß zweiter Ehe, mit Margaretha

  • Rosina Catharina ist gebohren im Jahr 1645. Uff S:Michaelstag, Ihre Bathin war, H: Friederich Neuers, Schultheyßen alhier eheliche Haußfrau: Catharina.
  • Anna Gretha, wurd gebohren im Jahr 1647. Ungefehr im Hornung, Ihre Tauffbathin, war obgedachten H: Schultheyßen Haußfrau: Catharina.

Bildquellen: Baden: Landeskirchliches Archiv Karlsruhe > Neckargerach > Mischbuch 1641,1650,1661 – 1750,1750,Juli 1751, Bild 10 www.archion.de

Das älteste vorhandene reformierte Kirchenbuch von Neckargerach wurde 1650 begonnen. Ob es bereits vor dieser Zeit ein Kirchenbuch in Neckargerach gab ist nicht bekannt aber auch nicht gänzlich auszuschließen. Jedenfalls war es Hanß Dürtzenbach wichtig seine während des 30jährigen Krieges geborenenen Kinder nachträglich ins Kirchenbuch eintragen zu lassen. Leider wurde der Vor-und Familienname seiner ersten Ehefrau sowie der Familienname seiner zweiten Ehefrau nicht eingetragen. Der Familienname „Dürtzenbach“ kommt in verschiedenen Schreibweisen vor, Dürtzenbach, Dertzenbach, Dörtzenbach.

Somit ist Anna Maria Dürtzenbach die älteste, mit Geburtsjahr, nachgewiesene Neckargeracherin im ref. Kirchenbuch von Neckargerach.


Pfarrgerechtigkeit 1605

aus Pfalz. Kirchen u. Schulkompetenzbuch 1606 (Originaltext)

  • Pfarr Gerach und Gutenbach. Hohe obrigkeit beider ort Churf.Pfalz. Jeder orts competens ist also:
  • 22fl. außm stift Mospach.
  • 8 1/2fl. vom collectore Mospach.
  • 12fl. vom schloß Minnenburg wegen Gutenbach.
  • 1fl. zinß von 20fl. capital.
  • 1/2fl. zinß
  • Item 1/2fl.
  • Summa solcher zinsen 4fl., so stendig.
  • Zinsen so unstendig.
  • Vom opfer geben alle inwohner der ganzen pfarrGerach, Zwingenberg, Lindach und Reichenbuchen 1alb.
  • Ein wittwer oder wittib 4d. Item 14 bemisch. (Bömischer Groschen)
  • 1 ort und 5fl.
  • 1/2fl. auß einem virtel guts.
  • 1fl.uf Martini
  • 1fl.
  • 2 fl 4bemisch.
  • 2fl 4bemisch.
  • Summa unstendiges 7fl. 17bemisch.
  • Von einer eheeinsegnung und ausrufung 5alb.
  • Von einer leichtpredigt 6alb.2d.
  • Der große zehend möcht zu gemeinen jahren ertragen 3 oder 4mlr. korn, 20 oder mehr mlr. dünkel, 4 1/2 oder mehr mlr. habern.
  • 1mlr. korn stendig vom stift Mospach.
  • 1simre von Reichenbuchen.
  • 2mlr. habern vom stift Mospach.
  • 1/2simre häbern breymehl.
  • Etwan ein fuder weins einzusameln von zehenden.
  • Der kleine zehend zu Zwingenberg, item ufm schloß daselbst, zu Lindach, Reichenbuchen allein, wie auch zu Gerach (außgenommen etliche heüßer). Und gehört in gemelten zehend, nemlich heidenkorn, sommer- und wintergersten, erbsen, rüben, kraut, linsen, nüße, allerlei obß und flachs, item kelber, lemmer, geiß, gänse, milchschwein.
  • 2 große underschiedliche wießen.
  • Item drei stück wießen ufm Zwingenberger gemarkung.
  • Dargegen muß pfarrer seiner gemein zu Gerach den vasel, ein farren und eber halten ohne clag.
  • Einen schönen baumgarten.
  • Item einen zimblichen krautgarten.
  • Die gemein zu Gerach muß dem pfarrer holz notturft nach gnug geben, doch uf sein koste ufzumachen.
  • Mag viehe halten, so viel er will, ist hirtenlohns frei.
  • Eine bequeme behaußung.
  • Schuldinst und meßnerampt zu Gerach.
  • Hohe obrigkeit, collator ist Churf.Pfalz.
  • 12fl. stendig vom collectore zu Mospach.
  • 1fl. 3ß. 10d. wegen der glocken abwarten.
  • 8fl. bei kellern uff Münnenberg.
  • 1ß. von jedem schuler im virteljahr uber.
  • Der fruchzehend, so zum meßnerampt gefelt, ist zun besten jahren nit uber 6mlr.
  • Ungefehr 42 läub brot hat meßner einzunemmen.
  • Meßner und schulmeister zu Gutenbach.
  • Besoldung ist stendig 4 1/2mlr. korn und 1 1/2mlr. habern wie auch etliche stücklein kleines zehenden.

Aus dem Guttenbacher Dorfbuch

Betreffend Die Frohndienste um 1366

„Auf der Guttenbacher Herrenwiesen müssen gedachte Handfröhner Heu und Ohmet mähen, auch dürr machen. Ebenmäßig müssen die Reichenbucher solch Heu und Ohmet ins Hauß Minnenberg führen, dann gibt man, wann sie ausgefahren, Brodt nach Nothdurft, Gedachtes Heu wird jährlich, wie in Rechnungen zu sehen nach Heydelberg zu Churpfalz Hofhaltung geführet.“

1566 wird diese Last genauer umschrieben.

„Die dem Schloß Minneburg zustehenden Frohnen aus Gudenbach, Katzenbach und Reichenbuch, so alle drei under einem stab gehörig und ein gericht ist.“

  1. Fuhr-Handfron. Diese drei gemeinden seien alle fuhr- und handfrondinst schuldig in nachvolgenden stücken, nichtzit ausgenumen.
  2. Hagen und Jagen Nota, hagen und jagen seien sie ohne einige kosten zu tun schuldig.
  3. Ackerfron. Item alle zum schloß gehörige ackervelder am berge und in gudenbacher gemarken im fron zu bauen, bessern, säen, schneiden, binden und inzuführen; dagegen den schniedern zeit der ernden zu mittag zu essen ein suppen, gemüs und brot, und zu undern etwa ein sauer milchsuppen und ein trinken, den fruchtbindern aber ein trunk weins zum imbs nach gelegenheit der menge gereicht würdet.
  4. Holzfron. Mehr als notturftig bau- und brenholz zu bauen, schleifen, buscheln zu binden und ins schloß zu füehren, dagegen würdet uf jedem wagen 1 läub brots, deren uf ungefahde 32 ein malter, zu fronbrot gereicht.
  5. Heufron. Item alles heu und amat uf allen wiesen und gärten in fron zu machen und inzufüehren, würd den heumachern jedem 1 viertel und uf jeden wagen 1 läub fronbrots geben.
  6. Grasfron. Das gras aber zu mähen, musse verlohnt werden, nemlich von jedem morgen 1 imel korn und 1 bazen.
  7. Brunnenfron. Item alle fron zum brunnen, deichel zu führen, zu legen, zu graben und was mehr notturftig.
  8. Botenfron. In botenlaufen, brieftragen müssen die wit-frauen tun oder zu tun verlohnen.
  9. Baufron. Item zum schloßbau alle hand- und fuhrfron zu leisten.
  10. Dungfron. Item alle dung und besserung uf die acker zu füehren.
  11. Weingartenfron. Notandum des schloß wingart würdet zu bauen verlohnet, haben bisher keinen fron dazu getan. Berichtt weibel dieweil die vom Habern den wingarth erst erbauet, haben sich die undertanen den im fron zu bauen beschwert, es sie dabei gelassen, allein das sie umb bilich lohn darin müssen arbeiten, so das an sie gesunnen worden.
  12. Seien zu Gudenbach uf die 30 hausgesäß ungefährde, Reichartsbuech uf die 8, Katzenbach haben uf die 13 hausgesäß. Die drei dorf haben dieser zeit uf die 21 wagenfuhren und dann 20 handfronen.

Die drei in Frage stehenden Dörfer mußten damals wöchentlich im Wechsel eine Kehrmagd für die Minneburg stellen.

Die Entstehung der Margarethenschlucht

von Thomas Ballenweg, Reichenbuch entnommen aus Franz Sales Meszmer, Die Margarethenschlucht bei Neckargerach.

Vor Zeiten besuchten Nixen aus dem Neckar die winterlichen Spinnabende, die gewöhnlich im letzten, gegen Neckargerach gelegenen Haus von Reichenbuch abgehalten wurden. Bei ihnen gaben sich Mädchen und Burschen des Dorfes ein Stelldichein. Als Weg zum Dorf benutzten die Wassergeister eine mächtige Höhle, die sich vom Neckar bis nach Reichenbuch hinzog. Die Nixen waren willkommene Gäste, besonders bei den Burschen, die sich an ihrer Schönheit nicht sattsehen konnten. Mit Interesse hörten die Geister den Dorfgesprächen zu und lauschten den Liedern, die gesungen wurden. wenn die Uhr Mitternacht schlug, verschwanden sie so schnell und lautlos, wie sie gekommen waren. Da den Burschen die Zeit der Anwesenheit der Nixen zu kurz war, vielleicht auch, um einen Schabernack zu treiben, stellten sie eines Abends die Uhr um eine Stunde zurück. So blieben die Geister ungewollt eine Stunde über Mitternacht. Als dann die Uhr schlug, enteilten sie. Kurz danach war ein ohrenbetäubender Knall und Gepolter zu vernehmen. Die Höhle zwischen Neckar und Ort stürzte in sich zusammen, so daß sich nunmehr eine Schlucht bildete. Außerdem färbte sich das Neckarwasser rot.

Ansichtskarte der Margarethenschlucht ca. 1960