Ein Ziegainer, von Raichenbuch

Bei der Suche nach ehemaligen Reichenbucher Bürgern habe ich im ev. Kirchenbuch von Binau folgenden Eintrag gefunden:

Kirchenbucheintrag Mischbuch Binau, Taufeintrag vom 04. August 1696

Den 4ten Augusi haben Johan Christoff
Leyhenbürger Ein Ziegainer, von Raichen-
buch, Einen Jungen Sohn tauffen lassen,
wobey der hochwohlgebohrne Herr, Herr Johan
Georg von Hunolstein v[nd]dann die hochwohl[geb.]
Frey Fräulein Loysa von Hunolstein zu
Gevattern gestanden, das Kind ist Johan
Ludwig genannt.

Binau war ein freiadeliges Rittergut. Zum Zeitpunkt der Taufe waren die „Vogt von Hunolstein“ die Besitzer von Binau. Warum Mitglieder der Familie die Patenschaft bei Johan Ludwig übernommen haben entzieht sich meiner Kenntnis. Ungewöhnlich ist auch das die Taufe in Binau vollzogen wurde, zuständig für Reichenbuch wäre eigentlich die Mutterpfarrei Neckargerach gewesen.

Leider führt auch die Suche nach dieser (Ziegainer) Familie ins Leere. Diese Familie tauchte weder vorher noch nachher nochmals auf. Mir ist auch nicht ganz klar wie der Familienname der Familie lauten soll.

  • Christoff dann wäre „Leyhenbürger“ eine Standesbezeichnung. Aber was soll dann die Bezeichnung „Leyhenbürger Ein Ziegainer“ bedeuten?
  • Leyhen könnte man vermuten da es im KB so aussieht wie wenn Leyhen unterstrichen wäre. Meist wurden Familiennamen unterstrichen. Was soll uns dann aber die Bezeichnung „bürger Ein Ziegainer“ sagen? Dies ist eigentlich genauso abwegig.
  • Leyhenbürger ist wohl doch am wahrscheinlichsten als Familienname anzunehmen.

Bisher konnte weder die Herkunft noch der Verbleib dieser Familie geklärt werden. Dies bleibt wohl dem Zufall überlassen, evtl. ergeben andere/spätere Forschungen ein Ergebnis. Wer über Informationen zu diesen Reichenbuchern verfügt wird gebeten mir eine Nachricht zu senden.

N.B. Dieser Beitrag soll keinesfalls diskriminierend wirken. Hier wurde lediglich der Begriff „Ziegainer“ aus einer historischen Quelle übernommen. Es geht hierbei um die Forschung nach Reichenbucher Familien.

Rauhnächte

Um die Rauhnächte ranken sich viele Mythen. Unseren Vorfahren sind diese Mythen und Gebräuche noch gut in Erinnerung.

Die Rauhnächte beginnen am 25. Dezember und dauern bis zum 6. Januar. Diese zwölf Nächte haben im Volksmund unterschiedliche Namen: Sie werden auch Raunächte, Zwölf-, Los-, Unter-, Weihe-, oder Zwischennächte genannt.

„Die Raunächte gehen zurück auf das Mondjahr, das mit 354 Tagen kürzer ist als das Sonnenjahr. Als man vom Mond- zum Sonnenjahr übergegangen ist, waren elf Tage und zwölf Nächte übrig – die heutigen Raunächte“

Die Rauhnächte hießen ursprünglich „Rauchnächte“, weil in dieser Zeit mit Kräutern geräuchert wurde, um dunkle Geister und Dämonen zu vertreiben und segenbringende willkommen zu heißen.

Vor allem um die Rauhnächte 24./25. Dezember, 31. Dezember/1. Januar und 5./6. Januar rankt sich allerlei Aberglaube. Mancherorts galten diese Nächte als derart gefährlich, dass besondere Regeln eingehalten werden mussten. Das Haus durfte keinesfalls unordentlich sein. Es war verboten, Wäsche zu waschen und aufzuhängen. Denn weiße Wäsche an der Leine könnte von wilden Reitern gestohlen und als Leichentücher verwendet werden, fürchtete man.

In anderen Versionen dieses Aberglaubens hieß es, wilde Geister könnten sich in der Wäsche verfangen und ziemlich böse reagieren. „Die Wilde Jagd reißt die Wäsche von der Leine und zerfetzt sie“, hieß es – zwischen den Jahren verzichtete man also darauf, die Wäsche herauszuhängen.

Darüber hinaus war es in manchen Orten untersagt, in den Rauhnächten Karten zu spielen.

Durch die Christianisierung und den Einfluss der römischen Traditionen wurde der Brauch des Räucherns zu einer christlichen Handlung. Deshalb ist auch heute bei der Einweihung von Gebäuden und Plätzen durch einen katholischen Priester das Weihrauchfass immer dabei.